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Was ist überhaupt ein "Dedicated Server" ?

Mit der Formulierung "Dedicated Server" wurde ich das erste mal 1990 konfrontiert. Ich wollte Novell Netware 2.2 mit 5 Usern installieren und wurde von der Setup-Routine gefragt, ob ich einen dedicated server oder einen nondedicated server einrichten wolle. Ein Nondedicated Server unter Novell Netware ermöglichte die gleichzeitige Nutzung eines Rechners als Fileserver (und Druckerserver) für die anderen Arbeitsplätze im Büro sowie als eingeschränkt nutzbaren Arbeitsplatz unter MS-DOS.

Der Nondedicated Server war kostengünstig, weil man ihn als zusätzlichen DOS-Arbeitsplatz nutzen konnte. Aber: Brachte man mit einem MS-DOS-Programm den Computer samt Server zum Absturz, mußte man den Reset von Server und Arbeitsplatz  sowie den Verbindungsabbruch zu allen vernetzten Stationen in Kauf nehmen. Zerstörte Dateien waren also keine Seltenheit.

Ab Version 3 hat Novell die Möglichkeit zur Installation eines nondedicated Servers aus Stabilitäts- und Sicherheitsgründen abgeschafft. Ein Arbeiten direkt am Server wurde damit unmöglich.

Ein Server ist dediziert, was sinngemäß übersetzt ungefähr "zweckbestimmt, fest zugeordnet" bedeutet. Er erfüllt einen ganz bestimmten Zweck. In unserem Falle soll er vorrangig als Webserver für das Hosting von Internetprojekten zweckbestimmt sein.

Aus streng technischer Sicht sind Linux-Server keine dedizierten Systeme. Man kann man sich unter Linux auf mehreren Consolen gleichzeitig anmelden, Programme starten, grafische Benutzeroberflächen laden. Durch ungeschickte Programmierung (Endlosschleifen o.ä.) kann man den Computer für eine bestimmte Zeit ins Nirvana schicken, was der Sicherheit und Leistung des Gesamtsystems abträglich ist.

Auch andere Betriebssysteme wie Windows Server 2003 oder Novell Netware sind wieder vom Konzept des dedicated Server (Nur-Server) abgegangen. Unter Windows Server 2003 kann man direkt am Monitor des Servers im Internet surfen oder Briefe schreiben, während im Hintergrund die PCs einer ganzen Firma mit Daten gefüttert werden.

Im umgangssprachlichen Gebrauch wird "dedicated Server" in Verbindung mit einem Rechner benutzt, wenn an dem Gerät niemand sitzt und arbeitet. Dadurch wird die als schädlich einzustufende Direkteinwirkung des Anwenders über Tastatur, Maus, Netzschalter und Resetknopf auf fast Null reduziert. Der Server ist nur für die Bereitstellung von Diensten im Netzwerk bestimmt.

In der heutigen Serverwelt ist ein dedizierter Server also eher ein organisatorisches, leistungs- und sicherheitstechnisches Kriterium.

Wer sich also einen Linux-PC mit grafischer Oberfläche installiert, mit Open Office Schriftverkehr abarbeitet und im Hintergrund zusätzlich Apache laufen läßt, erfüllt nicht die Kriterien eines Dedicated Servers. Solche Systeme sind für Webentwickler optimal, denn sie bieten die Möglichkeit, mit nur einem PC sowohl Server als auch Client zu simulieren.

Für die produktive Nutzung sind derartige Systeme jedoch ungeeignet. Ich habe noch keinen Softwareentwickler gesehen, welcher direkt im Serverraum vor einem 19"-Schrank saß und dort seine Programme schrieb. Bei all dem Lüfterlärm fällt einem nach einer Viertelstunde nichts mehr ein....

Informationen zu diesem Artikel:

Redakteur: Tino Bellmann
Erstellt: 29.08.2007
Aktuell: 02.02.2009
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